Patch & Predict · Dieser Artikel ist Teil einer Serie
- Teil 1: Home Assistant 2026.7: das ist neu, das zählt
- Teil 2: Dieser Artikel
Werfen wir einen frühen Blick auf Home Assistant 2026.8. Das Update erscheint am 5. August, mit der üblichen Release-Party am Abend. Genug Vorlauf also, um uns alles näher anzusehen, bevor es auf deinem System landet.
Die Beta-Notes lesen sich wie eine Aufräumliste: Umbenennungen, Kosmetik, viele Kleinigkeiten. Die auffälligste Änderung steht dabei nicht in der Feature-Liste, sondern in der Adresszeile deines Browsers.
Erinnerung: was die Flammen bedeuten 🔥
Kein objektives Maß, sondern meine persönliche Begeisterung. Je mehr, desto mehr zündet das Thema bei mir - und ja, eine Kleinigkeit kann mehr Flammen abbekommen als das große Thema.
- 🔥 - Ganz nett, aber schnell vergessen
- 🔥🔥 - Geile Sache
- 🔥🔥🔥 - Der heiße Scheiß; absolut lebensverändernd!
Ich kommentiere den Stand der Beta-Notes vom 22. Juli. Bis zum 5. August kann sich also noch etwas verschieben oder rausfallen. Der vollständige Changelog erscheint mit dem Release.
Der Port muss weg 🔥🔥 #
Die magische Zahl fällt. Bei neuen Installationen von Home Assistant OS lauscht Home Assistant künftig auf dem Standard-HTTP-Port 80, das :8123 hinter der Adresse ist damit Geschichte. Und weil das ohne Schraubenschlüssel nicht viel wert wäre: Der Port lässt sich jetzt über die Oberfläche ändern. Bisher war das YAML-Gebiet. Es bleibt auch nicht beim Port - SSL/TLS, Reverse-Proxy und IP-Sperre sitzen im selben Dialog.

Für dein bestehendes Setup ändert sich nichts. Wirklich nichts - kein Umzug, keine Migration, dein Lesezeichen funktioniert weiter. Und damit neue Installationen niemanden ins Leere laufen lassen, leitet HAOS in der Übergangsphase Anfragen auf 8123 auf den konfigurierten Port um.
Das ist keine Feature-Meldung, das ist eine Haltungsänderung. Ein Port hinter der URL ist ein Bastler-Artefakt. Wer eine Appliance verkaufen will - und HAOS ist eine Appliance - der lässt seine Nutzer nicht vier Ziffern tippen, die niemand erklären kann. Dass die HTTP-Konfiguration dabei aus der configuration.yaml in die UI wandert, ist mir fast wichtiger als der Port selbst.
🔥🔥 Überfällig, aber es wird chaotisch. Der Haken: Es stehen jetzt zwei Welten nebeneinander. Jede Anleitung, jedes Forenposting, jedes YouTube-Video der letzten zehn Jahre nennt :8123 - und stimmt ab August nur noch für einen Teil der Leserschaft. Die erste Rückfrage im Support lautet künftig nicht mehr “läuft dein Home Assistant?”, sondern “auf welchem Port denn?”.
Und wer eigene Infrastruktur davorhängt, räumt beim nächsten Neuaufsetzen an mehr Stellen nach, als der Release-Text verspricht: Reverse Proxy, Portweiterleitungen, Firewall-Regeln, Monitoring-Checks.
Weniger Fachchinesisch 🔥 #
Das eigentliche Programm des Releases: Home Assistant soll nicht mehr nach Expertenwerkzeug klingen.
Die Etiketten “Advanced” und “Expert” verschwinden quer durch die Oberfläche. Statt dem Nutzer zu bescheinigen, dass er für eine Funktion zu unbedarft ist, beschreibt die Beschriftung jetzt einfach, was die Funktion tut. Konsequent dazu heißen die Developer Tools ab 2026.8 nur noch Tools, auf Deutsch also Werkzeuge statt Entwicklerwerkzeuge - denn der Zustands-Inspektor und der Template-Editor sind für jeden nützlich, nicht nur für Entwickler. Und die Home Assistant Cloud-Seite bekommt eine Überarbeitung, damit man dort findet, was das Abo eigentlich kann.

🔥 Richtig gedacht, billig umgesetzt. Umbenennen ist die günstigste Form der Verbesserung, und hier ist sie berechtigt: “Developer Tools” hat jahrelang Leute abgeschreckt, die dort genau richtig gewesen wären. Nur wird der Template-Editor durch ein neues Schild nicht einfacher - das Label war nicht bloß Gatekeeping, es war auch ein Warnschild. Und dass ausgerechnet die Verkaufsseite fürs Abo ein Facelift bekommt, ordnet sich verdächtig gut ins Aufräum-Narrativ ein 😉.
Noch mehr Trigger, jetzt mit Mond 🔥 #
Die zweckbezogenen Trigger und Bedingungen, die mit 2026.7 zum Standard geworden sind, bekommen Nachschub. Das sichtbarste neue Stück: Die Mond-Integration bekommt einen Trigger und passende Bedingungen. Du kannst eine Automation starten, wenn der Mond in eine neue Phase wechselt - Vollmond, Neumond oder jeder Phasenwechsel -, oder die aktuelle Phase als Bedingung in eine größere Automation hängen.

🔥 Netter Beleg, falsches Beispiel. Ein Mond-Trigger ist charmant und für die allermeisten Setups vollkommen belanglos. Der Punkt ist auch nicht der Mond, sondern die Taktung: Einen Monat nach der Umstellung kommt tatsächlich Nachschub. Nachgelegt hat allerdings das Core-Team an eigenen Integrationen, und das ist der leichte Teil. Der eigentliche Gewinn hängt daran, dass die Community mitzieht und mein Wechselrichter von sich aus einen Trigger “Einspeisung beginnt” mitbringt. Bis dahin ist es eine Demo, kein Ökosystem.
Deine Entity-IDs, deine Regeln 🔥🔥 #
Seit 2026.6 nimmt Home Assistant den Bereich mit in die Entity-ID auf, allerdings nur dort, wo eine ID überhaupt neu entsteht: bei neuen Entitäten, nach dem Entfernen und erneuten Hinzufügen eines Geräts, oder wenn du die IDs bewusst neu erzeugen lässt. Gegenwind gab es trotzdem, gebündelt in einem offenen Ticket mit der schlichten Bitte um Rücknahme - vor allem von denen, die genau diese Neuerzeugung als Aufräum-Werkzeug für gewachsene Setups genutzt haben.
Bemerkenswert ist, was daraus geworden ist. Frenck1 hat am 23. Juli einen ausführlichen Kommentar im Thread hinterlassen und erst einmal erklärt, warum es die Änderung überhaupt gibt. Sie ist kein Alleingang, sondern ein Baustein eines mehrjährigen Umbaus der Namensgebung.
Früher musste der komplette Kontext in einen einzigen Namen gequetscht werden: Etage, Bereich, Gerät, Entität. Mit allem Dopplungs- und Pflegeärger, der dazugehört. Die Richtung stattdessen: Jedes Ding trägt seinen eigenen, kurzen Namen, den Kontext liefert das System drumherum. Dazu ein Eingeständnis, das man in dieser Klarheit selten liest - dieser Schritt sei nicht für alle gut gelaufen, und das zu richten liege bei ihnen.
Die Antwort ist deshalb keine Rücknahme, sondern ein Schalter. Vorgesehen ist er für 2026.8: Du legst dann selbst fest, welche Bausteine in die Entity-ID wandern und in welcher Reihenfolge: Etage, Bereich, Gerät, Entität. Wer den Bereich nicht drin haben will, lässt ihn weg. Das heutige Verhalten bleibt die Voreinstellung, du musst also gar nichts tun.

- Bestehende Entity-IDs werden nicht angefasst. Sie stehen im Entitäten-Register und bleiben dort. Automationen, Skripte, Szenen und Dashboards laufen unverändert weiter.
- Ein Gerät in einen anderen Bereich zu schieben, benennt nichts um. Genau wie das Umbenennen eines Geräts noch nie die ID verändert hat. Das ist Absicht: Stilles Umschreiben würde all das brechen, was auf die IDs zeigt.
- Manuelles Umbenennen bleibt jederzeit über die Einstellungen der Entität möglich.
- Integrationen mit eigener Namensgebung, MQTT Discovery zum Beispiel, behalten ihre Werte.
Dazu kommt eine Kleinigkeit, die viele kennen werden: Manche Hubs liefern Geräte mit dem Raum schon im Gerätenamen - Philips Hue ist das Standardbeispiel -, und dann steht der Bereich am Ende zweimal drin, ohne dass du etwas falsch gemacht hast. Künftig erkennt Home Assistant das beim Hinzufügen. Beginnt ein Gerätename mit einem deiner Bereichsnamen oder einem Alias davon, wird das Präfix abgeschnitten und der passende Bereich gleich vorausgewählt. Sichtbar im Dialog und änderbar, falls du den Namen genau so behalten willst.
Der eigentlich wertvolle Teil steckt aber im Nebensatz, und er trifft jedes gewachsene Setup: Benenne jedes Ding einmal, kurz und für sich. Ein Bereich heißt Wohnzimmer, nicht Erdgeschoss Wohnzimmer. Ein Gerät heißt Multisensor, nicht Wohnzimmer Multisensor. Weise Geräte ihren Bereichen zu und Bereiche ihren Etagen - genau daraus baut Home Assistant den Kontext in Auswahllisten, Dialogen und Tabellen. Dann entstehen auch keine Monster wie wohnzimmer_wohnzimmer_temperatur, denn die kommen fast immer daher, dass derselbe Name zweimal in der Kette steht. Und wenn eine Karte einen zu langen Namen anzeigt, korrigierst du das an der Karte, nicht am Gerät.
🔥🔥 So sieht gute Kommunikation aus. Nicht der Schalter ist hier die Leistung, sondern alles drumherum. Warum es die Änderung gibt. Was sie ausdrücklich nicht tut. Wo es noch hakt - im Verlaufs-Panel fehlt der Kontext bis heute. Und dass zur Namensgebung noch ein eigener Beitrag folgt. Dazu ein offen zugegebener Fehltritt. Das ist mehr Transparenz, als man gewohnt ist.
Zwei Anmerkungen bleiben. Erstens stehen auch hier zwei Welten nebeneinander: Ein Setup trägt den Bereich in der ID, das nächste nicht, und jede Anleitung braucht künftig den Zusatz “je nachdem, wie du es eingestellt hast”. Zweitens war 2026.8 zum Zeitpunkt der Ankündigung ausdrücklich ein Ziel, kein Versprechen. Frontend und Backend seien fertig, festnageln lassen wollte sich aber niemand. Für mich damit der wahrscheinlichste Kandidat, falls doch noch etwas aus dem Release rutscht.
Der Kleinkram 🔥🔥 #
Hier steckt diesmal das, was mich persönlich am meisten freut. Meine Rosinen:
- 🔥🔥🔥 Template-Entitäten merken sich ihren Zustand über einen Neustart - und Templates werden weiter schneller.
- 🔥🔥 Midea LAN kommt als neue Core-Integration, und LG Infrared unterstützt jetzt Klimageräte. Bei diesen Temperaturen gutes Timing - wenn man denn noch ein Gerät bekommt.
- 🔥🔥 Kombinierte Batterie-Level im Energie-Dashboard rechnen genauer. Wer wie ich einen Speicher am Balkonkraftwerk hängen hat, kennt die krummen Zahlen.
- 🔥 Das Aktivitäts-Panel bekommt einen CSV-Export - endlich mit den Daten rauskommen, statt sie nur anzuschauen.
- 🔥 Lieblingskarten im Karten-Auswahldialog favorisieren - kein Scrollen mehr zu den drei Karten, die man ohnehin immer nimmt.
- 🔥 Die Update-Entität sagt jetzt, wenn ein Neustart fällig ist - kein Rätselraten mehr, ob nach dem Update noch ein Reboot ansteht.
Dazu noch eine ganze Reihe Kleinigkeiten: Der Entitäts-Filter kann nach Hersteller und Modell filtern, die Suche findet mehr Verwandtes zu einem Gerät, Z-Wave-Schlösser unterstützen Benutzer samt Zugangscodes, die Uhr-Karte kann das Datum anzeigen, und du kannst einen Assist-Befehl direkt aus der Schnellsuche starten. Insgesamt 13 neue Integrationen, darunter llama.cpp, LiteLLM und Karakeep.
Der Restart-Zustand ist mein Highlight. Wer schon mal Template-Sensoren gebaut hat, die sich etwas merken sollen - eine Szenen-Historie etwa, oder wann welcher Raum zuletzt geputzt wurde -, kennt den Moment, in dem ein Neustart alles auf unknown setzt. Man baut sich Umwege mit Input-Helfern, Attributen und Wiederherstellungs-Logik drumherum. Wenn das jetzt ab Werk funktioniert, kann in meinem Setup einiges an Konstruktion raus.
Und zum CSV-Export: Im Juli habe ich geschrieben, dass mir das Logbuch meine Fragen nie beantworten konnte und ein neues Design daran nichts ändert. Der Export ändert die Ansicht ebenfalls nicht, er nimmt mir aber die Beschränkung, jede Auswertung im Panel selbst machen zu müssen. Damit kann ich arbeiten 😎.
Die Fallen #
Und jetzt das, was mir beim Querlesen die Nackenhaare aufgestellt hat. Diesmal ist ein echter Brocken dabei - wenn du nur einen Abschnitt liest, dann diesen.
Geräte gehören künftig genau einer Integration. Bisher hat Home Assistant ein physisches Gerät, das von mehreren Integrationen unterstützt wird, zu einem gemeinsamen Gerät verschmolzen - über MAC-Adresse oder Seriennummer. Damit ist Schluss: Ab 2026.8 gibt es ein Gerät pro Config Entry. Geräte, die vorher an mehreren Integrationen hingen, werden beim Start aufgeteilt, die Entitäten werden auf das jeweils richtige Gerät umgehängt.
Das Problem ist nicht die Aufteilung, sondern was daran hängt:
- Die alte, zusammengesetzte Geräte-ID zeigt auf kein echtes Gerät mehr. Wer in Automationen oder Skripten auf Geräte statt auf Entitäten zielt, sitzt genau auf diesen IDs. Es gibt Kompatibilitäts-Krücken, die bis 2027.8 greifen und Aufrufe auf die Teilgeräte durchreichen - aber ausdrücklich als best effort, nicht als Garantie.
- Custom-Integrationen können stolpern. Das Team hat 462 Custom-Integrationen analysiert, die direkt mit dem Geräte-Register arbeiten, und schätzt, dass mindestens 90 % unbeeinflusst weiterlaufen. Was eben auch heißt: einige nicht.
- In der Beta wurden dazu bereits Probleme gemeldet. Das ist keine Theorie.
Konkret vor dem Update: Backup ziehen, danach die Reparaturen durchgehen und deren Anweisungen befolgen. Und wenn du in Automationen auf Geräte zielst, ist jetzt ein guter Anlass, auf Entitäten umzustellen - das war ohnehin immer die bessere Wahl.
Companion App 2026.8.0 lässt alte Apple-Geräte zurück. iOS 15, watchOS 8 und macOS 11 werden nicht mehr unterstützt, die letzte lauffähige Version für diese Plattformen ist 2026.7.1. Wenn bei dir ein ausgemustertes iPad als Wandpanel hängt, prüf das vorher.
Bei Saugrobotern wird battery_level abgekündigt, und die AI-Port-Geräte von UniFi Protect sind entfernt worden. Dazu eine Handvoll weiterer rückwärtsinkompatibler Änderungen - die vollständige Liste vor dem Update einmal quergelesen ist gut investierte Zeit.
Aufräumen statt glänzen #
Der Port fällt. Die Etiketten fallen. Das Geräte-Register wird endlich sauber.
Das ist mehr wert, als es sich anfühlt - und gleichzeitig genau das, was in der ersten Woche Ärger macht. Der Geräte-Umbau ist eine Änderung, die sich in einem Jahr auszahlt und in den ersten Tagen wehtut. Mein Rat: nicht am Release-Tag aktualisieren. Das Team fährt inzwischen wöchentliche Patch-Releases, üblicherweise freitags. Ein Wochenende abzuwarten kostet dich nichts.
Was weiter fehlt, ist das echte Kick-Ass-Update. Die dicken Fische bleiben liegen, ein brauchbares Benutzer-Management vorneweg. Nichts gegen Zugänglichkeit als Programm, das ist die richtige Richtung. Aber gerade wird die Haustür geschliffen, während ein paar Zimmer dahinter verschlossen bleiben. Von mir gibt es deshalb nur: 🔥
Was davon es wirklich ins Release schafft, wissen wir am 5. August. Meine Adresszeile behält ihre vier Ziffern trotzdem - ein Vorrecht der Bestandskunden 😎.
Franck Nijhof, Release-Manager und einer der prägenden Köpfe hinter Home Assistant. ↩︎
Patch & Predict · Dieser Artikel ist Teil einer Serie
- Teil 1: Home Assistant 2026.7: das ist neu, das zählt
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