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Tobias Schulz
Smart Home

Jetzt wird abgerechnet: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

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Bis zu 235 € sparen im Jahr mit Balkonkraftwerk? Heute wird abgerechnet.

Kurz vorab: Die beworbenen 235 €/Jahr habe ich nie erreicht - warum das so ist, kannst du hier nachlesen.

Erinnerst du dich an mein allererstes Balkonkraftwerk-Versprechen? Ich wollte nachrechnen, ob die beworbene Ersparnis wirklich aufs Jahr gesehen eintrifft. Das ist nun zwei Jahre her: höchste Zeit, den Taschenrechner aus der Schublade zu holen 😄!

Hier kannst du den alten Artikel übrigens nachlesen:

Schnall dich an, das wird ein elektrifizierender Ritt.

Zwei Jahresscheiben #

Mein ursprünglicher Beitrag stammt vom 20. August 2024. Also lege ich die Messlatte genau dort an und teile die Zeit in zwei Zwölf-Monats-Scheiben:

  • Scheibe 1: 20.8.2024 bis 20.8.2025
  • Scheibe 2: 20.8.2025 bis heute, 12.7.2026

Fairer geht es kaum: zwei (fast) volle Jahre ab dem Tag, an dem die 235 € im Raum standen. Nur war keines davon ein ungestörtes Sonnenjahr. Was in den beiden Scheiben so alles passiert ist:

  • 2024 lief die Anlage erst ab Ende April, anfangs noch mit den Modulen im 90-Grad-Winkel1 platt am Geländer. Anfang August habe ich meine selbstgebaute Aufhängung montiert und damit die Leistung glatt verdoppelt. Die Freude währte kurz: Anfang September musste alles wieder runter, weil der Balkon saniert wurde.
  • Über den Winter stand die Anlage still. Erst zum 1. März 2025 ging es wieder los. Im Juni kam dann der Batteriespeicher dazu - und ausgerechnet danach drehte Petrus den Hahn zu.
  • Auch in 2026 lief nicht alles nach Plan, da mir im Mai eines der Module durchgeschmort ist und von mir außer Betrieb genommen werden musste. Auf ein Viertel der Leistung hatte die Anlage also keinen Zugriff mehr. Und genau darum beende ich das Projekt auch schon jetzt.

Du siehst: ein komplettes Jahr ohne Zwischenfall war nie dabei. Genau das musst du im Hinterkopf behalten, wenn wir gleich die 235 € danebenlegen.

Erst der schnelle Euro-Blick #

Die reine Ersparnis habe ich kalenderjährlich mitgeschrieben, und ich nehme die Zahlen hier genau so, wie sie in Home Assistant stehen:

  • 2024: 46,35 €
  • 2025: 117,95 €
  • 2026 (bis Projektende): 72,24 €

Du musst kein Mathe-Ass sein, um zu sehen: 235 € im Jahr sind nicht mal am Horizont. Aber - und das ist mir wichtig - kalenderjährliche Euro sind hier ein unfairer Maßstab. Der Speicher hat ab Mitte 2025 meinen Eigenverbrauch nach oben gerissen, mein Arbeitspreis schwankt, und mitten im Zeitraum klafft die Sanierungslücke. Drei bewegliche Teile, die jeden Kalender-Vergleich verwässern.

Hinweis

Gespart habe ich ausschließlich über den selbst verbrauchten Strom: selbst verbrauchte kWh mal Arbeitspreis. Was ins Netz zurückfließt, taucht hier bewusst nicht auf - für ein Balkonkraftwerk gibt es keine Einspeisevergütung2, die das vergüten würde. Mein Arbeitspreis stammt aus meinem Tarif bei Octopus Energy.

Deshalb lege ich zuerst das daneben, was sich nicht schönrechnen lässt und nur von einem abhängt - der Sonne: die produzierte Energie je Jahresscheibe. Den fairen Euro-Vergleich - pro Scheibe statt pro Kalenderjahr - hole ich mir dann zum Schluss zurück.

Die Produktion pro Jahresscheibe #

Und jetzt wirf vor allem ein Auge auf die rechte Spalte:

JahresscheibeProduktionAns Netz verschenkt
Scheibe 1 (20.8.24 - 20.8.25)464,64 kWh122,37 kWh
Scheibe 2 (20.8.25 - 12.7.26)358,70 kWh15,82 kWh

Zur Einordnung: auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die verschenkte Energie quasi nicht mehr vorhanden ist. Von jeder erzeugten Kilowattstunde bleibt jetzt fast alles im Haus. Du ahnst vermutlich schon, was jetzt kommt 😁.

Der Speicher: vom Mitläufer zum MVP #

Verantwortlich ist der Zendure SolarFlow, seit dem 7. Juni 2025 an Bord. Vor ihm habe ich rund 60 % meines Solarstroms selbst verbraucht, der Rest floss ungenutzt ins Netz - in Scheibe 1 summierte sich das auf die besagten 122 kWh. Mit dem Speicher kletterte die Eigennutzung auf über 95 %, und der Verlust schrumpfte auf magere 16 kWh in Scheibe 2.

Das ist der eigentliche Hebel, und es ist exakt das, was ich mir vom Speicher erhofft hatte: aus verschenkter Energie bare Münze machen.

Tipp

Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde zählt, jede verschenkte zählt nicht. Ein Speicher produziert keinen einzigen Sonnenstrahl mehr - er sorgt nur dafür, dass kaum noch etwas davon verloren geht. Bei mir waren das satte 35 Prozentpunkte mehr Eigennutzung.

Und jetzt die bittere Pointe: Kaum war der Speicher da, drehte das Wetter komplett ab. Der Sommer 2025 war einer zum Vergessen, der Juli besonders - dauergrau, dauernass. Das bestätigen sowohl die Produktionsdaten als auch meine Wetteraufzeichnungen in Home Assistant. Ausgerechnet in der Scheibe mit der besten Eigennutzung blieb die Anlage damit weit unter ihrem Potential.

Home Assistant Energie Dashboard
Klar erkennbar: der Sommer hatte viel schlechtes Wetter

Petrus und die Marketingabteilung von Plugin Energy haben sich offenbar nicht gut genug abgesprochen 🤨.

235 € - eine Luftnummer? #

Kommen wir zur Gretchenfrage. Bisher zählten Kilowattstunden - jetzt lege ich die blanken Euro daneben. Und zwar fair: pro Zwölf-Monats-Scheibe statt nach Kalenderjahr, gerechnet wie gehabt über den selbst genutzten Strom mal Arbeitspreis. Die letzte Spalte zeigt, was meine Anlage in einem realistischen Sonnenjahr schaffen würde - hochgerechnet aus meinen Messdaten3.

KennzahlScheibe 1 (20.8.24 - 20.8.25)Scheibe 2 (20.8.25 - 12.7.26)Bestfall / Jahr
Produktion464,64 kWh358,70 kWhca. 780 kWh
davon selbst genutzt342,27 kWh342,88 kWhca. 740 kWh
Arbeitspreis28,63 ct/kWh26,45 ct/kWh26,45 ct/kWh
Ersparnis97,99 €90,69 €ca. 196 €

Die nüchterne Wahrheit steht in der letzten Zeile: In keiner der beiden Scheiben habe ich die beworbenen 235 € geknackt - nicht einmal annähernd.

Was die Bilanz drückt #

Bevor ich jetzt mit dem Finger auf Plugin Energy zeige, muss ich fair bleiben:

  • Scheibe 1 schleppt die Sanierungslücke mit sich: einen halben Winter Stillstand, dazu der späte Neustart im März.
  • Scheibe 2 lag mitten im verregneten Sommer 2025 und einem bisher schwachen 2026 - sonnenarm von vorne bis hinten, dazu ab Mai ein abgerauchtes Modul.
  • Den größten Sprung, die Eigennutzung von 60 % auf über 95 %, gab es erst ab Juni 2025.

Was drin gewesen wäre #

Unterm Strich: Ein sauberes, sonniges Volljahr habe ich der Anlage nie gegönnt. Wie viel dann drin wäre, steht in der rechten Spalte: Mein realistischer Bestfall - Sonne satt, Speicher am Anschlag - landet bei rund 196 €. Schon nah dran, aber eben nicht bei 235 €. Die Lücke ist schnell erklärt: rund 27 € stecken im höheren Strompreis, mit dem die Werbung rechnet, und nur etwa 12 € in der perfekten Südausrichtung, die mein geteiltes SO/SW-Setup nie haben wird.

Die 235 € sind damit eine “bis zu”-Zahl - der Bestwert unter Idealbedingungen, und genau die hatte ich nie. Gelogen ist das nicht. Optimistisch? Aber sowas von.

Und das Urteil? #

Mein Urteil fällt deshalb zweigeteilt aus: Rechnen können sie wahrscheinlich. Und sie ziehen vermutlich einen höheren Arbeitspreis heran, als ich ihn zahle - der Bundesschnitt liegt aktuell bei rund 31 ct/kWh, mein Octopus-Tarif nur bei 26,45 ct. Nur ihre Annahmen - perfekte Ausrichtung, volles Jahr, ordentlich Sonne, 100% Verbrauch des erzeugten Stroms - haben mit meinem Balkon-Alltag wenig zu tun.

Die ehrliche Antwort auf meine eigene Frage von vor zwei Jahren lautet also: Nein. Denn ich erreiche meine Werte lediglich durch einen Speicher, den ich extra dazu gekauft habe.

Fazit #

Zwei Jahresscheiben, lauter Baustellen - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die 235 € waren in beiden außer Reichweite, aber unter den Umständen wäre alles andere auch ein kleines Wunder gewesen. Was bleibt, ist trotzdem ein Plus auf dem Konto, ein Speicher, der über 95 % der Sonne im Haus hält, und die Gewissheit, dass die Anlage bei vernünftigem Wetter deutlich mehr kann. Und in ein paar Jahren habe ich den Anschaffungspreis eingespart und generiere einen finanziellen Vorteil - Strom selbst produzieren lohnt sich also. Es benötigt nur Zeit.

Würde ich es wieder so machen? Ohne zu zögern. Den eigenen Strom auf dem Balkon zu produzieren und im Smart Home bis auf die Wattsekunde nachvollziehen zu können, war jeden Handgriff wert 😎.


Das Titel-/Hintergrundbild stammt von Vivint Solar auf Unsplash.


  1. Heißt: Die Module hingen senkrecht am Balkongeländer, die Sonne traf also flach auf. Erst die zur Sonne geneigte Aufhängung holt das Maximum heraus. ↩︎

  2. Anders als bei großen Dachanlagen wird der überschüssige Strom eines Balkonkraftwerks dem Netz schlicht geschenkt. Kein Cent zurück, deshalb zählt für mich nur der Eigenverbrauch. ↩︎

  3. Gerechnet aus den Tagesdaten in Home Assistant (volle vier Module mit Neigung, März 2025 bis April 2026). Mein bester Einzeltag brachte 3,9 kWh; ein realistisches Sonnenjahr meiner 780-Wp-Anlage liegt bei rund 780 kWh, also etwa 1.000 kWh/kWp, bei 95 % Eigennutzung dank Speicher. ↩︎

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