Ich lese die Release Notes von Home Assistant in etwa so, wie andere Menschen die Sportschau schauen. Sobald sich ein neues Release am Horizont abzeichnet, klicke ich mich durch die Beta-Notes und sortiere im Kopf schon mal vor: Das hier ist nett, das da ändert nichts - und dieser kleine Nebensatz bedeutet Ärger.
Aus dieser kleinen Macke wird jetzt ein Format. Patch & Predict geht die Hauptthemen eines Releases Stück für Stück durch: was steckt im Release drin und wie viel Brennmaterial 🔥 bringt das mit sich?
Hinweis zu den Flammen 🔥
Die Flammen sind dabei kein objektives Maß, sondern meine ganz persönliche Begeisterung: je mehr, desto mehr zündet das Thema bei mir. Eine einzelne Flamme heißt nett, aber schnell vergessen. Und ja, so kann auch mal eine Kleinigkeit mehr Flammen abbekommen als das große Thema.
- 🔥 - Ganz nett, aber schnell vergessen
- 🔥🔥 - Geile Sache
- 🔥🔥🔥 - Der heiße Scheiß; absolut lebensverändernd!

Den Auftakt macht Home Assistant 2026.7, und das Timing ist schön: Ich schreibe das hier am 1. Juli, dem Release-Tag selbst. Das finale Update ist also noch nicht draußen, es steckt im Release Candidate1 - und heute Abend läuft die offizielle Release-Party. Wir reden hier über ungelegte Eier, und genau das ist der Reiz.
Die Notes sind zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch work in progress. Es kann also sein, dass es das eine oder andere Feature doch nicht ins finale Release schafft oder sich noch leicht verschiebt. Ich kommentiere den Stand, den ich sehe. Die vollständigen Änderungen findest du im Changelog.
Zweckbezogene Trigger und Bedingungen 🔥🔥 #
Der Titel des Releases ist Programm: Automations that speak your language. Die sogenannten purpose-specific triggers and conditions verlassen die Labs2 und werden zum neuen Standard für alle. Statt eines hübscheren Menüs ist das ein anderer Startpunkt fürs Automatisieren.
Bisher musstest du Home Assistant auf halbem Weg entgegenkommen: Welche Entität? Welcher Zustand? Brauche ich einen State-, einen Numeric-State- oder einen Device-Trigger? Wer das System kennt, denkt da häufig nicht mehr drüber nach. Wer neu einsteigen möchte, hat eine steile Lernkurve. Und ganz ehrlich? Selbst für mich als Home Assistant Experte ist es manchmal nicht leicht 😁.
Die neuen Bausteine sprechen die Sprache der Sache, die dich interessiert. Wenn das Schlafzimmer unter 18 Grad fällt, heize. Du wählst Temperatur unterschreitet Schwelle und sagst, was zählt - keine Attribute, keine Einheiten, kein Grübeln über unknown oder unavailable. Zwei Dinge heben das über reine Wortkosmetik: Du kannst eine Automation um Bewegung im Wohnzimmer statt um einen bestimmten Sensor bauen, und Integrationen können dem System künftig eigene Trigger beibringen - eine Waschmaschine einen schlichten “Wäsche fertig”-Trigger, ohne dass du den passenden Statuswert kennen musst.
Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag.
Batterie wird schwach:
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.tuerschloss_batterie
below: 20
triggers:
- trigger: battery.became_low
target:
entity_id: sensor.tuerschloss_batterie
Saugroboter kehrt zur Basis zurück:
triggers:
- trigger: state
entity_id: vacuum.roborock
to: "docked"
triggers:
- trigger: vacuum.returned_to_dock
target:
entity_id: vacuum.roborock
Update steht bereit:
triggers:
- trigger: state
entity_id: update.flur_sensor_firmware
to: "on"
triggers:
- trigger: update.became_available
target:
entity_id: update.flur_sensor_firmware
Und keine Sorge: nichts bricht. Frenck3 erklärte eindeutig, dass bestehende Automationen, Templates und YAML unverändert weiterlaufen. Dazu hat jeder einzelne Trigger, jede Bedingung und jede Aktion jetzt eine eigene Doku-Seite mit Beispielen.
🔥🔥 Großes Ding - aber mit Zeitzünder. Kurzfristig spürt ein gewachsenes Setup wenig, eben weil alles weiterläuft. Der eigentliche Hebel kommt später: niedrigere Einstiegshürde und eine Engine, die durch Integrationen dazulernt. Genau da liegt aber auch der Haken. Der große Gewinn hängt daran, dass die Integrations-Autoren mitziehen und ihre eigenen Trigger nachrüsten - das passiert nicht über Nacht und wird sich monatelang ungleichmäßig anfühlen. Und es stehen jetzt zwei Welten nebeneinander: die alten generischen Trigger und die neuen. Für Einsteiger ist das erst mal eine Auswahl mehr, nicht weniger.
Sorge bereitet mir, dass der Automation Editor durch die Vielzahl an Triggermöglichkeiten ein wenig unübersichtlich wird, sodass man am Ende erstmal gar nichts mehr findet.
Aktivität: das Logbuch wird zur Timeline 🔥 #
Das gute alte Logbuch - jetzt Aktivität - wurde von Grund auf zu einer Timeline umgebaut. Statt einer flachen Liste voller ganzer Sätze liest es sich jetzt von oben nach unten wie ein Feed: Zeit links, ein farbiger Punkt mit dem Icon der Entität, der Text daneben. Einträge sind nach Tag gruppiert, der Punkt nimmt die Zustandsfarbe an, und es zeigt endlich die Ursache mit an - Person, Automation oder Integration direkt neben dem Was.


🔥 Schulterzucken. Es kostet dich keine Konfiguration, es ist einfach da und besser, und genau solche Updates halten ein gewachsenes System angenehm. Jedoch: Es ist reine Darstellung. Dieselben Daten, schöner sortiert - wer das Logbuch ohnehin nie öffnet, gewinnt nichts. Ich persönlich erachte das Logbuch nicht als Killer-Feature, und nutze es selten bis gar nicht. Es konnte mir meine Fragen einfach nie beantworten, das ändert auch ein neues Design nicht.
Ein Knopf für alle Updates 🔥 #
Wir kennen das alle: Man schaut nach ein paar Tagen in die Einstellungen und blickt auf eine Wand aus offenen Aktualisierungen. Neuer Core, drei Apps, zig ESPHome-Geräte und Shellys. 2026.7 sortiert die Seite in übersichtliche Karten und spendiert einen “Update all”-Knopf pro Gruppe. Home Assistant selbst - Core, OS, Supervisor - bleibt außen vor und ohne Sammel-Knopf.

🔥 Nettes Extra. Es spart ein paar Klicks, löst aber kein wirkliches Problem. Ich schätze, dass der neue Button sehr schnell kein Gesprächsthema mehr sein wird.
Der Kleinkram 🔥🔥🔥 #
Die Liste der kleinen Verbesserungen ist diesmal lang. Meine Rosinen:
- 🔥 SMTP-Integration per UI - nach Jahren der Schmerzen per YAML Config: interessiert allerdings nur 1,7 % aller User.
- 🔥 Timer-Dauer im laufenden Betrieb ändern - kein Abbrechen und Neustarten mehr.
- 🔥 Templates bis zu 40% schneller - dank einer Optimierung tief im Maschinenraum.
- 🔥 Eigene Panels für Infrarot und Funk - IR-Blaster und 433-MHz-Brücken haben einen festen Platz im Menü.
- 🔥🔥 Überarbeitetes ZHA-Zigbee-Gerätemanagement - raus aus dem gequetschten Popup, rein in eine volle Seite mit Tabs.
- 🔥🔥🔥 Zeitformat per UI wählbar - absolute Zeit oder freundliches “vor 2 Stunden”, ohne YAML.
In Summe das, was ein Release rund macht. Mein absolutes Highlight ist aber die Zeitformat-per-UI-Thematik, denn die wird nachhaltig die Arbeitsweise vieler User verändern (inkl. mir), die sich für diese Fälle andauernd eigene Template-Sensoren bauen mussten 😎!
Die Fallen #
Bleibt das, was mir beim Querlesen die Nackenhaare aufstellt. Die scheinbar leisen Änderungen mit möglicherweise großer Wirkung.
Z-Wave JS braucht zwingend einen aktualisierten Server: zwave-js-server 3.9.0 oder neuer (Schema 49). Je nach Setup heißt das vor dem Core-Update aktualisieren:
- Z-Wave-JS-Add-on: mindestens 1.4.0
- Z-Wave JS UI (Docker): mindestens 11.19.1
- eigener
zwave-js-server: mindestens 3.9.0
Wer den Core aktualisiert, ohne den Server nachzuziehen, steht hinterher ohne Z-Wave da - und damit je nach Haus ohne einen Teil seiner Geräte.
Personen- und Zonen-Logik rechnet jetzt über das neue Attribut in_zones. Eine Person kann dadurch in mehreren Zonen gleichzeitig zählen, und der Zustand positionsbewusster Device-Tracker ist nun die kleinste passende Zone. Wenn deine Präsenz-Automationen darauf bauen, besser einmal testen.
Die vielzitierten umbenannten Trigger (battery.low heißt jetzt battery.became_low und so weiter) klingen dagegen dramatischer, als sie sind: Sie treffen nur die wenigen, die die purpose-specific Trigger schon aus den Labs nutzen. Fix: Trigger einmal neu auswählen, speichern, fertig.
Conclusio #
Damit ist der Auftakt gemacht. 2026.7 war der erste Patient auf dem Tisch, und ich denke, dass ich für viele spreche, wenn ich behaupte: Dieses Update wird nicht direkt unser aller Leben verändern. Aber es hat den Weg frei gemacht, insbesondere mit den neuen Trigger-Möglichkeiten. Es braucht einfach noch ein wenig Zeit.
Insgesamt sehe ich das Juli-Update als gelungenes Sommer-Update, freue mich auf die neuen Trigger und besonders über das wählbare Zeitformat von Datums-Entitäten. Entgegen der sommerlichen Temperaturen gibt es allerdings von mir nur: 🔥
Es gab es schon lange kein richtiges Kick-Ass-Update mehr, und bestimmte Themen (wie ein besseres User-Management) lassen seit Jahren auf sich warten. Wir dürfen also gespannt sein, wann sich das Core Team endlich wieder an die dicken Fische herantraut.
Der nächste Home Assistant Patch erwartet uns im August. Genieß das schöne Wetter 🍸!
Release Candidate - die letzte Vorschau-Version vor dem finalen Release. Was hier steht, ist also noch nicht in Stein gemeißelt. ↩︎
Labs ist der Experimentier-Bereich unter Einstellungen > System, in dem neue Funktionen reifen, bevor sie zum Standard werden. ↩︎
Franck Nijhof, Release-Manager und einer der prägenden Köpfe hinter Home Assistant. ↩︎




