# Wie ich mein Smart Home mit KI auditiere

> Mein Home Assistant ist über die Jahre gewachsen. Ein bisschen zu sehr. Was passiert, wenn ich Claude per MCP an die Maschine lasse?

_Quelle: https://tbsch.de/post/2026-05-21-wie-ich-mein-smart-home-mit-ki-auditiere/ · Stand: 2026-05-21_


<div class="tb-lead">Wenn dein Smart Home eine eigene Stadtverwaltung bräuchte, wird es Zeit für einen Spaziergang durch den Maschinenraum.</div>


Kennst du diesen Moment, in dem dir auffällt, dass dein Smart Home dir **ein bisschen entglitten ist**? Bei mir war es ein ganz normaler Sonntag. Ich saß mit einem Kaffee vor *Home Assistant*, wollte „nur kurz" einen Sensor neu anlernen - und stolperte stattdessen über **eine Automatisierung, die ich nicht mehr erklären konnte**. Wofür war die da? Wann habe ich die gebaut? Ich hatte keine Ahnung mehr :grin:.

Wenig später wollte ich mich überzeugen, dass ich alles im Griff habe. Das war ein Fehler: Im Reiter *Geräte und Dienste* leuchteten gefühlt überall kleine Warnsymbole, und in der Sensor-Liste sah ich Einträge, deren Namen mir nicht einmal mehr etwas sagten. **Ein gewachsenes Setup hat das so an sich**: es ist wie ein Garten, in dem zwischen den Stauden plötzlich Bäume stehen, die du augenscheinlich nie gepflanzt hast.

Ein paar Zahlen, damit du weißt, wovon ich spreche: meine Instanz zählt aktuell **1.293 Entitäten**, **80 Automationen** und **95 Sensoren, die mir `unavailable` zurufen**. Verteilt über 13 Bereiche, gewachsen über Jahre. Ich glaube, jeder, der sein Smart Home länger als zwei Jahre pflegt, kennt das. Und so richtig **Lust auf einen Aufräum-Samstag** hat man halt auch nie.

Seit ein paar Tagen probiere ich etwas Neues aus, und ich muss gestehen: es **verändert tatsächlich**, wie ich mein Setup pflege. Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Ich lasse **[Claude](https://claude.com)** über das **[Model Context Protocol (MCP)](https://modelcontextprotocol.io)** direkt mit meinem **[Home Assistant](https://www.home-assistant.io)** sprechen.

## Was ist MCP überhaupt?

> [!info]
> **MCP** (Model Context Protocol) ist ein offener Standard, mit dem Sprachmodelle wie *Claude* **strukturiert** mit externen Systemen reden können. Statt der KI eine Wand aus Text vorzuwerfen und auf das Beste zu hoffen, bekommt sie einen klaren Werkzeugkasten an die Hand: *zeig mir alle Entitäten in diesem Bereich, lies die Historie dieses Sensors, suche in den Automationen nach allem, was diese Lampe anfasst*.

Für *Home Assistant* gibt es dafür mittlerweile einen MCP-Server, den du im **[HACS](https://hacs.xyz)**[^hacs] unter dem Namen *[ha-mcp](https://github.com/homeassistant-ai/ha-mcp)* findest. Die Einrichtung selbst ist erstaunlich unspektakulär: Repository hinzufügen, einen Service-Account in HA anlegen, ein **Long-Lived Access Token**[^token] erzeugen, in *[Claude Desktop](https://claude.com/download)* den Server eintragen. **Nach 15 Minuten** kannst du loslegen. So einfach ist das.

Wichtig ist mir an der Stelle eines: die Verbindung läuft bei mir **ausschließlich lokal**. *Claude Desktop* spricht direkt mit meiner HA-Instanz im eigenen Netzwerk. Mein Heimnetz **verlässt** dabei genau das, was zur **Sprachverarbeitung** an die Anthropic-API geht - und das entscheide ich pro Frage. Wer regelmäßig hier mitliest, weiß: an dem Punkt bin ich **pingelig** :smile:.

## Und wer ist eigentlich dieser *Claude*?

Falls dir der Name nichts sagt: *Claude* ist ein **KI-Assistent** der Firma **[Anthropic](https://www.anthropic.com)**, vergleichbar mit *ChatGPT*, aber mit eigenem Charakter und einem deutlich stärkeren Fokus auf **Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Datenhygiene**. Ich nutze ihn seit über einem Jahr im Alltag, am intensivsten am Schreibtisch über die *[Claude Desktop](https://claude.com/download)*-App. Mir liegt der Stil sehr, weil er sachlich bleibt, ehrlich auf Grenzen hinweist und nicht jeden Vorschlag mit drei Bullshit-Bingo-Wörtern garniert.

> Ein wahrer Game-Changer, der dein Smart Home auf das nächste Level hebt.

Na, kommt dir bekannt vor :grin:?

Was die Sache kostet: für gelegentliches Ausprobieren gibt es eine **kostenlose Variante** mit Tageslimit, die zum Reinschnuppern völlig reicht. Wer Claude regelmäßig nutzt, landet beim Abo: **[Claude Pro](https://claude.com/pricing)** kostet aktuell **rund 20 Euro im Monat**, hebt das Limit deutlich an, gibt Zugriff auf das aktuelle Spitzenmodell und schaltet Funktionen wie **MCP-Integrationen** in der Desktop-App frei. Für Vielnutzer gibt es zusätzlich **[Claude Max](https://claude.com/pricing)** ab etwa **100 Euro im Monat**, und für Entwickler oder Automatisierungen die **[API](https://www.anthropic.com/api)**, bei der du pro verbrauchtem Token zahlst.

Für das, was ich in diesem Beitrag beschreibe, reicht **Claude Pro** völlig aus.

## Fünf Sachen, für die ich es tatsächlich nutze

Nach ein paar Abenden Herumspielen haben sich bei mir ein paar Anwendungsfälle herauskristallisiert. Nicht alle sind gleich nützlich - ich sortiere sie nach *„wie oft hole ich es wirklich aus meiner Trickkiste"*.

### Beispiel: Aufräumen, ohne dass es weh tut

Damit habe ich angefangen, weil es schlicht die Sache war, die am längsten überfällig war. Die Fragen, die ich Claude tatsächlich gestellt habe, klangen ungefähr so:

- *„Welche meiner Integrationen sind kaputt, und warum?"*
- *„Liste mir die 95 unavailable Sensoren, gruppiert nach Integration."*
- *„Welche Automationen wurden in den letzten 6 Monaten nie ausgelöst?"*
- *„Welche Entitäten gehören zu keinem Bereich?"*

In der HA-UI ist das ein **halber Samstagvormittag**, weil du dich durch Integrationen, Geräte und Logs klicken musst. Über MCP habe ich die Antwort in **30 Sekunden** als sortierte Liste, oft direkt mit einem ersten Vorschlag, *was* eigentlich zu tun wäre.

Was dabei rauskam, hat mich übrigens nicht überrascht, aber es war trotzdem ernüchternd: etwa die Hälfte meiner unavailable Sensoren hängt schlicht an **Integrationen, die ich nicht mehr nutze**. Die andere Hälfte sind **Geräte, die ich längst entsorgt habe** - deren Entitäten in HA aber munter weiterleben. Das hätte schon vor einem Jahr aufgeräumt werden müssen :grin:.

### Beispiel: alte YAML lesen, ohne den Verstand zu verlieren

Hier wird es richtig interessant, denn hier spielen die großen Kontextfenster moderner KI-Modelle ihre Stärke aus. Ich habe Claude zum Beispiel gefragt:

- *„Such mir alle Automationen, die `light.arbeitszimmer_tischlampe` referenzieren."*
- *„Welche meiner Automationen verwenden denselben Trigger?"*
- *„Bau mir die YAML für: ‚Heizung im Bad dimmen, wenn keiner zuhause und Fenster auf' - aber prüf vorher, ob das mit meinen bestehenden Heizungs-Automationen kollidiert."*

Ein wichtiger Punkt für mich: **die Kontrolle bleibt bei mir.** Claude produziert YAML, ich lese sie, ich übernehme sie. Niemand schreibt **ohne meine Zustimmung** in mein Setup. Aber das mühsame *Lesen und Querverknüpfen* meiner über die Jahre gewachsenen Konfiguration - das übernimmt die KI für mich. Und genau das ist der **langweilige Teil der Refactoring-Arbeit**, der mich sonst immer wieder davon abhält, **überhaupt anzufangen**.

### Beispiel: Fragen ans eigene Haus

Das Energy-Panel in *Home Assistant* ist gut. Wirklich. Aber alles, was über *Verbrauch pro Tag pro Gerät* hinausgeht, ist erstaunlich mühsam. Über MCP fühlt sich das auf einmal **leichtgewichtig** an:

- *„Wann war mein Standby-Verbrauch in den letzten 30 Tagen am höchsten - und welches Gerät war's?"*
- *„Wie korreliert mein Heizverbrauch mit der Außentemperatur?"*
- *„Wann ist die Spülmaschine üblicherweise fertig, und wie spät kann ich sie noch starten, damit sie vor 22 Uhr durch ist?"*

Das sind **Ad-hoc-Auswertungen**, für die ich mir nie ein eigenes Dashboard bauen würde. Zu spezifisch, zu einmalig. Aber einfach mal eben zu fragen - das ist ein echter Komfortgewinn. Und manchmal lernt man dabei **überraschend viel über sein eigenes Zuhause** :smile:.

### Beispiel: endlich Doku, die niemand schreiben wollte

Das ist meiner Meinung nach der **am meisten unterschätzte** Anwendungsfall. Ein paar Beispiele für Dinge, die ich mir habe generieren lassen:

- Eine **Kurzanleitung für meine Frau und Gäste**, wie unser Smart Home morgens, abends und im Urlaub funktioniert - inklusive der wichtigsten Sprachbefehle für *Alexa*. Stichwort: **Women Acceptance Factor** :grin:.
- Ein **Runbook** *„was tun, wenn die Heizung in einem Raum nicht heizt"* - mit den richtigen Entity-IDs, einem Diagnose-Pfad und den drei häufigsten Ursachen.
- Eine **Architekturskizze** meines Setups, halbwegs in [arc42](https://arc42.org)-Logik. Sehr nützlich, wenn ich in zwei Jahren wieder vergessen habe, warum ich Automation Nr. 47 damals gebaut habe.

Natürlich ist die generierte Doku bei dieser Größenordnung **nicht perfekt** und braucht Nachbearbeitung. Aber sie nimmt mir den Sprung von "leeres Dokument" zu "erster Entwurf" ab. Und das ist meistens der Punkt, an dem ich sonst aufschiebe.

### Beispiel: wenn das Haus sich seltsam verhält

Der spannendste Use-Case, weil hier die **Mustererkennung** tatsächlich etwas tut, das ich von Hand so nicht hinbekomme. Meine Idee: einmal pro Woche - als *Scheduled Task* - läuft ein Audit-Lauf mit Fragen wie:

- *„Sinkt eine Batterie schneller als gewöhnlich?"*
- *„Läuft ein Gerät länger als sonst?"*
- *„Wurde eine Automation seltsam oft ausgelöst?"*
- *„Steigt mein Standby-Verbrauch schleichend?"*

*Home Assistant* selbst hat dafür keine eingebaute Logik. Es gibt einzelne Integrationen, aber nichts, was über mehrere Datenquellen hinweg **korreliert**. Hier ist das **Reasoning eines Sprachmodells** ein **guter Fit** - nicht perfekt, aber gut genug, um mich auf Dinge hinzuweisen, die ich sonst übersehen hätte. Und mehr will ich auch gar nicht.

## Stolpersteine und Grenzen

Damit der Beitrag nicht klingt wie eine Werbeanzeige, hier noch ein **paar Beobachtungen** aus den letzten Tagen.

**Kontextfenster sind nicht unendlich.** Bei meinen ganzen Entitäten passt nicht alles in einen Prompt. Gute MCP-Server arbeiten daher mit **gezielten Abfragen** - Claude sagt nicht *„zeig mir alles"*, sondern fragt *erst* nach Bereichen, *dann* nach Entitäten, *dann* nach Details. Das funktioniert, kostet aber gelegentlich eine Nachfrage mehr.

**Halluzinationen gibt es.** Ich habe von Claude schon Entity-IDs vorgeschlagen bekommen, die es so gar nicht gibt. Lösung ist banal: **niemals ungeprüft übernehmen**. Jede generierte Automation wird von mir in der HA-UI durchgeklickt, bevor sie scharf geht. Und dann gäbe es ja noch [Spook](https://spook.boo), der uns vor falschen Benamungen schützt.

**Schnell ist anders.** Ein vollständiger Audit-Lauf über alle Integrationen dauert mehrere Minuten. Das ist okay, wenn du es einmal pro Woche machst - aber **nicht**, wenn du interaktiv arbeiten willst.

**Berechtigungen in HA sind flach.** *Home Assistant* kennt nur **Admin** oder **Non-Admin**, echtes Rollen- und Rechtemanagement gibt es nicht. Ein dediziertes Token allein schützt also nicht davor, dass Claude über die API erstaunlich viel anfassen kann. Eine **entity-spezifische Filterung pro Benutzer** kennt HA ebenfalls nicht. Was übrig bleibt, ist im Wesentlichen der Approval-Modus in *Claude Desktop*. Mehr dazu gleich.

**Datenschutz braucht Disziplin.** Auch wenn *ha-mcp* lokal läuft: was Claude liest, geht zur Verarbeitung an Anthropic. Das ist kein klassischer **Cloudzwang**, aber eben auch nicht der reine Lokalbetrieb.

> [!warning]
> Wer ein Setup mit besonders sensiblen Bereichen hat (Kinderzimmer, Pflegesituationen, medizinische Sensorik), sollte sich vor dem Einsatz von Cloud-KI gut überlegen, *ob* er an dieser Stelle mit KI arbeiten möchte.

## Zwei Maßnahmen, mit denen ich das Risiko klein halte

Wie eben angerissen: echtes Rollen- und Rechtemanagement bietet *Home Assistant* nicht, und *Claude Desktop* hat (Stand heute) auch noch keinen Schalter, um einzelne Tools eines MCP-Servers individuell abzuklemmen. Was übrig bleibt, sind zwei pragmatische Riegel, auf die ich mich verlasse:

1. **Dedizierter Non-Admin-User in HA.** Claude bekommt ein **Long-Lived Access Token** über einen **eigenen Benutzer ohne Admin-Rechte**. Damit fällt zumindest der direkte Zugriff auf die Konfigurationsdateien raus. Eine echte Entity-Filterung pro Benutzer kennt HA leider nicht. Was der User darf, das sieht er.
2. **Approval-Modus konsequent anlassen.** *Claude Desktop* fragt per Default vor jedem Tool-Aufruf nach. Genau diese Bestätigung ist meine wichtigste Sicherheitsschicht, denn alles, was die KI auslösen könnte, läuft erst nach meinem aktiven Klick. Beim ersten Ausprobieren etwas nervig, im Alltag aber Gold wert.

Immerhin ein kleines Plus serverseitig: *ha-mcp* lässt **direkte YAML-Edits** standardmäßig **nicht zu** (`ENABLE_YAML_CONFIG_EDITING=false`). Wer das nicht aktiv anschaltet, hat zumindest diese Klasse von Schreibzugriffen schon mal ausgeschlossen.

## Was sich für mich verändert hat

Drei konkrete Dinge; und das nach gerade mal einer Woche.

**Erstens: ich räume tatsächlich auf.** Was vorher ein halber Samstag war, ist jetzt eine **halbe Stunde am Sonntagabend**. Und damit passiert es auch wirklich.

**Zweitens: ich traue mich an Refactorings.** Dinge, vor denen ich mich gedrückt habe - *„dieser ganze Lichter-Block ist über die Jahre Mist geworden, aber neu schreiben dauert ewig"* - sind plötzlich machbar, weil das mühsame Lesen abgenommen wird.

**Drittens: ich verstehe mein eigenes Setup besser.** Klingt komisch, ist aber so. Wenn ich Claude bitte, mir die *Lichtsteuerung im Flur* zu erklären, bekomme ich eine Zusammenfassung, die mir **selbst Lücken** in meinen Annahmen aufzeigt. Sehr spannend :grin:.

## Fazit

MCP ist für mich kein *Killer-Feature*, das mein Smart Home revolutioniert. Niemand muss heute panisch loslegen, nur weil es gerade ein Trendthema ist. Aber für ein **gewachsenes, gepflegtes Setup** ist es ein **erstaunlich nützliches Werkzeug** - und zwar genau dort, wo die manuelle Arbeit am wenigsten Spaß macht: bei der **Hygiene**, beim **Lesen alter Konfiguration**, bei der **ad-hoc-Datenanalyse**, bei der **Dokumentation**.

Was es **nicht** ist: ein Ersatz für *Verstehen*. Claude weiß nicht, **warum** meine Heizungs-Boost-Logik so aussieht, wie sie aussieht. Ich weiß es. Und genau dieses Verständnis braucht es, um die Vorschläge der KI **bewerten** zu können.

Ich glaube, das ist die wichtigste Erkenntnis aus den letzten Tagen: **MCP ist ein Lesegerät und ein Skizzenblock, kein Architekt.** Architekt bleibt weiterhin **wer auch immer das Setup gebaut hat - also wir selbst.** Und ehrlich gesagt: das ist genau richtig so.

Zumindest noch :smile:.

**Wie sieht das bei dir aus?** Hast du schon mit MCP herumgespielt, oder bist du noch am Beobachten? Schreib mir gern.

[^hacs]: HACS steht für *Home Assistant Community Store* und ist der inoffizielle Marktplatz für Integrationen, Themes und Add-ons, die nicht direkt in *Home Assistant* enthalten sind. Siehe [hacs.xyz](https://hacs.xyz).
[^token]: Ein langlebiger Zugangs-Token aus *Home Assistant*, mit dem sich externe Tools gegenüber der HA-API authentifizieren - die saubere Alternative zur klassischen Benutzername/Passwort-Kombi.

---

Das Titel-/Hintergrundbild stammt von [Growtika](https://unsplash.com/de/@growtika?utm_content=creditCopyText&utm_medium=referral&utm_source=unsplash) auf [Unsplash](https://unsplash.com/de/fotos/ein-abstraktes-bild-einer-kugel-mit-punkten-und-linien-nGoCBxiaRO0?utm_content=creditCopyText&utm_medium=referral&utm_source=unsplash).

