Blickst du auch manchmal zurück und fragst dich, was du in deinem Leben richtig oder komplett falsch gemacht hast? Seit die Tage immer weniger werden, die mir noch bis zur magischen 4 vorne im Alter verbleiben, denke ich immer öfter darüber nach. Warum ist das so? Ich habe keinen Schimmer, allerdings kann es ja auch gar nicht so falsch sein, sich mit den getroffenen Entscheidungen immer wieder mal auseinanderzusetzen.
Denn auch in den nächsten 40 Jahren werde ich noch viele Entscheidungen treffen müssen - sei es für mich selbst, für mein Kind oder die ganze Familie. Und jede davon soll ein kleines bisschen besser, weiser, vorausschauender sein als die, die ich zuvor einmal getroffen habe.
Heute möchte ich über eine meiner Entscheidungen schreiben, die ich absolut richtig getroffen habe: mein Nein zur Brille und das absolute Ja zur Augen-Operation.
Rückblick#
Genau weiß ich es gar nicht mehr: meine erste Brille muss ich bekommen haben, als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Als Kind habe ich dieses Ding einfach nicht gemocht - wie vermutlich alle Kinder. Irgendwann hat man sich aber schließlich doch daran gewöhnt, weil man damit einfach etwas sehen konnte. Und ohne halt nicht. So einfach ist das.
Viel zu schnell gewöhnt man sich auch an die ganzen kleinen Einschränkungen: beim Sport rutscht die Brille ständig runter, wenn man schwitzt. Während eines Friseurbesuchs kann man nicht sehen, was gerade auf dem eigenen Kopf passiert. Auf dem Sofa schmerzt es irgendwann, seitlich auf einem Kissen zu liegen, weil die Brille gegen Kopf und Ohr drückt. Und noch viel mehr. Kommt dir bekannt vor 😁?
Eines wunderschönen Frühlingstages in 2017 wachte ich auf dem Sofa auf und stellte fest, dass ich abends einfach beim Fernsehen eingeschlafen sein muss. Und da war es passiert: ich habe auf meiner Brille geschlafen, sie war in der Mitte am Nasensteg glatt durchgebrochen. Seinerzeit wohnte ich auf dem Dorf und ohne Auto gab es keinen Weg in die Stadt, und natürlich musste ich auch noch auf die Arbeit fahren – der Ärger war perfekt, denn ohne Brille konnte ich nichts sehen und, hier sind wir übrigens bei einer meiner dümmsten Entscheidungen: ich hatte keine Ersatzbrille 😄.
Eine Taxifahrt später und mit 25 Euro weniger in der Tasche gab ich meine Brille schließlich bei einer dir sicherlich bekannten Optiker-Kette zur Reparatur. Und dank meiner Brillenversicherung, die ich scheinbar beim Brillenkauf versehentlich abgeschlossen haben muss, um beim Kaufpreis zu sparen, erhielt ich zur Überbrückung kostenlose Kontaktlinsen in meiner Sehstärke - für insgesamt 14 Tage.
Entscheidung#
Diese zwei Wochen haben mein Leben verändert. Das war wie eine Inception, ich wurde diesen Gedanken einfach nicht mehr los, dass ich keine Brille mehr tragen möchte. Nie wieder! Aber einfach nur auf Linsen umzusteigen, ging mir nicht weit genug. Ich wollte einfach gar keine Sehhilfe mehr haben.
Natürlich habe ich öfter mal darüber nachgedacht, wie es wäre, sich die Augen operieren zu lassen. Das tut bestimmt jeder Brillenträger gelegentlich. Zumindest bis man dann Google anwirft und sich grob über die Kosten der Operation informiert. Wahnsinn. Von dem Geld könnte ich mir vier MacBooks kaufen, mehrere Male in den Urlaub fliegen oder mir eine Karibik-Kreuzfahrt mit Balkonzimmer buchen.
Meine damaligen finanziellen Möglichkeiten hätte dieser Eingriff definitiv überschritten, also begann ich Mitte 2018, mir jeden Monat sämtliche Überschüsse meines Gehalts dafür zurückzulegen. Infolgedessen habe ich mir mehr Zeit bei anderen Dingen gelassen, die ich ansonsten frequentierter getan hätte: zum Beispiel meinen Gaming-PC aufrüsten. Man muss ja nicht immer alles sofort haben wollen 😁.
Erstuntersuchung#
Im Januar 2020 war es dann schließlich soweit: ich reservierte mir für März 2020 einen Termin zur Erstuntersuchung und Beratung im FreeVis LASIK Zentrum des Uniklinikums Mannheim. Ich habe mich für diese Klinik entschieden, da ich damals in Mannheim wohnte und es sich um eines der führenden Augenlaserzentren Europas handelt - das passte einfach perfekt!
Während der Untersuchung wurde die Ist-Situation einmal komplett vom Ärzte-Team erfasst, indem diverse Sehtests mit mir durchgeführt wurden. Die Ergebnisse der Tests bildeten dann die Grundlage für das direkt folgende Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt, in meinem Fall Prof. Dr. Knorz höchstpersönlich.
Die Untersuchungsergebnisse belegten, dass ich für eine Augenlaser-Operation in Frage kam. Da ich mich im Vorfeld intensiv mit den Laser-Techniken befasst hatte, wünschte ich mir die Durchführung der SMILE LASIK . Bei dieser Methode bleibt der größte Teil der Hornhautschichten des Auges unberührt, wodurch die biomechanische Stabilität der Hornhaut nur minimal beeinflusst wird. Klang für mich sinnvoll und Prof. Dr. Knorz quittierte meinen Wunsch kurzerhand mit der Aussage, dass es ihn aufgrund meiner Vorbereitung für ein Beratungsgespräch ja fast gar nicht mehr benötigen würde, nachdem wir gemeinsam über die Vor- und Nachteile der Operations-Techniken sinnierten 😄.
Operation#
Bereits einen Monat später, also im April 2020, wurde mein Operations-Termin eingeplant. Das LASIK Zentrum legte mir außerdem nahe, nicht allein zum Termin zu erscheinen, sondern jemanden mitzubringen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die ganze Zeit über sehr entspannt auf den Termin gewartet hatte. Die zwei Nächte vorher jedoch konnte ich vor Aufregung allerdings kaum noch schlafen. Da mischte sich alles hinein: Vorfreude, Angst, Panik - und die Erinnerung an diese eine fiese Augenlaser-Szene in Final Destination 5.
Völlig übermüdet schnappte ich mir am OP-Tag schließlich meinen Kumpel Dmitrij und fuhr mit ihm in die Klinik. Natürlich mit der Straßenbahn. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich um einen gänzlich ambulanten Eingriff handelte. Aufgrund der Corona-Maßnahmen vor Ort waren wir die einzigen Besucher des LASIK Zentrums an diesem Vormittag. Auch wenn Corona keine tolle Sache war, fand ich ziemlich gut, dass es quasi gar keine Wartezeit gab. Es ging also direkt zur Voruntersuchung, wobei nochmals ähnliche Tests wie bei der Erstuntersuchung gemacht wurden. Das dauerte jedoch deutlich länger als beim ersten Mal, da die Messwerte für den Laser benötigt wurden. Nach etwa einer Stunde durfte ich kurz ins Wartezimmer zurückkehren.
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Wartezimmer wurde ich dann vom Ärzte-Team in das OP-Vorzimmer geführt, in dem ich wie eine Mumie gänzlich eingepackt wurde - damit ich möglichst steril war. Kurz darauf durfte ich mich auf eine Liege legen und bekam Augentropfen, die die Augen betäuben sollten. Nachdem diese 10 Minuten einwirkten, ging es auch direkt in den OP, in dem mich Prof. Dr. Knorz bereits erwartete.
Ich kann überhaupt nicht in Worte fassen, was mir in diesem Moment alles durch den Kopf ging: alles und nichts. Pure Aufregung. Mir wurde der Ablauf der Operation erklärt: im Endeffekt sollte ich mich nur unter den Laser legen und in das grüne Licht gucken. Mensch, das kann ja nicht so schwer sein 😁! Mit Klammern wurden dann noch meine Augenlider fixiert, sodass ich nicht mehr blinzeln konnte. Augentropfen schützten vor Brennen in den Augen.
Und dann ging es auch schon los, Prof. Dr. Knorz gab das Startsignal und das gesamte Team saß um mich herum. Ich erinnere mich noch, dass eine Assistentin ihre Hand auf mein Knie legte - vermutlich als Beruhigungsmaßnahme. Half leider nur bedingt, in so einem Moment hast du einfach nur Schiss. Es müssen 5 oder 10 Sekunden vergangen gewesen sein, als mir mitgeteilt wurde, dass die Operation geglückt sei. Vielleicht war die Zeitspanne auch länger, es kam mir allerdings wie Sekunden vor.
Durch meine intensive Vorbereitung wusste ich, was nun passieren würde: durch den Laser schwoll die Hornhaut an und ich erblindete für einen kurzen Moment. Prof. Dr. Knorz erklärte mir nun, dass er jetzt die Lentikelentnahme durch den seitlichen Schnitt in meinen Hornhäuten vornahm. Das sah für mich so aus, als würde man ein Milchglas vor meinen Augen seitlich wegziehen. Dann gab es erneut Augentropfen auf die Augen, die Klemmen wurden gelöst und ich durfte schon wieder aufstehen.
Es fühlte sich nun so an, als hätte ich zwei Tage lang geweint, aber das Wichtigste war: ich konnte klar sehen, wenn auch noch etwas verschwommen – was nach so einem Eingriff vollkommen normal ist. Das war einfach ein irres Gefühl! In Summe war das Ärzte-Team während des Eingriffs sehr zuvorkommend und routiniert, ich habe mich stets gut abgeholt und aufgehoben gefühlt. Das ist heutzutage in einer Klinik ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr.
Übrigens war der gesamte Eingriff frei von Schmerzen, ich habe nichts gespürt. Auch nach der Operation gab es keinen einzigen Moment, in dem ich Schmerzen, Druck oder Brennen spürte. Bis heute nicht.
Nach der OP#
Nachdem ich vom gesamten Team verabschiedet wurde und den OP verließ, ging es direkt zurück ins Wartezimmer zu meiner Begleitung. Eine Assistentin gab mir dann noch ein Care-Paket an die Hand, bestehend aus einer Sonnenbrille für den Heimweg und sehr vielen verschiedenen Augentropfen. Außerdem gab sie mir noch ein paar Instruktionen mit auf den Weg, wie ich mich zu verhalten habe: nicht ins helle Licht schauen, nur mit gewaschenen Händen ins Gesicht, nicht die Augen reiben.
Bei den Augentropfen handelte es sich um drei unterschiedliche Medikamente, die für die nächsten Wochen teilweise 3x täglich aufgetragen werden sollten. Das gehörte zu solch einem Eingriff einfach dazu und förderte den Heilungsprozess.
Durch die Sonnenbrille hindurch konnte ich auf dem Heimweg bereits scharf sehen - dieses Gefühl war einfach unglaublich. Hier wurde mir das erste Mal so richtig bewusst, was keine 60 Minuten vorher mit mir passiert war. Ein Laser hat tatsächlich Haut aus meinen Augen herausgeschnitten. Kaum vorstellbar eigentlich. Ab diesem Moment überwogen einfach nur noch die Glücksgefühle.
Die ersten Tage konnte ich nicht am Rechner arbeiten, das Licht des Bildschirms war schlichtweg zu grell und es war mir nur möglich, die Inhalte verschwommen zu sehen. Fernsehen war auch nicht drin. Meine natürliche und verdunkelte Umgebung nahm ich allerdings gestochen scharf wahr 😄. Draußen schien die Sonne, doch musste ich Licht vorerst nach Möglichkeit etwas meiden. Also habe ich die nächsten 3 Tage schlichtweg mit Telefonieren verbracht, ganz oldschool.
Von Nebenwirkungen bin ich anfangs auch nicht ganz verschont geblieben, gerade in den ersten Tagen nach dem Eingriff sah ich häufig Lichtblitze in der Dunkelheit. Das ist ganz normal, und hörte nach ein paar Wochen schließlich auf. Ein weiterer Nebeneffekt kann übrigens sein, dass man in der Dunkelheit etwas schlechter sieht als vor so einer OP. Dies ist bei mir bis heute noch spürbar, war direkt nach dem Eingriff aber verglichen mit heute deutlich stärker.
Nachuntersuchung#
Sechs Wochen nach der Operation stand als letzte Maßnahme im Juni 2020 dann noch die Nachuntersuchung an. Hierbei wurde ich erneut einem intensiven Sehtest unterzogen, wie bei der Voruntersuchung und kurz vor dem Eingriff. Im Anschluss gab es dann noch einen weiteren Test, wie man ihn vom Augenarzt kennt, wenn man eine Brille braucht oder den Führerschein beantragen möchte. Das Ergebnis dieses Tests war eine sagenhafte Fehlsichtigkeit von 0 (null!) Dioptrien.
Damit war es offiziell: meine Kurzsichtigkeit wurde geheilt! Kurz darauf erhielt ich noch das augenärztliche Gutachten, mit dem ich meine Sehschwäche aus dem Führerschein austragen lassen durfte und wurde aus der Behandlung entlassen.
Fazit#
Vom ersten Buchen eines Beratungsgesprächs bis zum Abschluss der Behandlung waren gerade einmal 6 Monate vergangen, obwohl gleichzeitig die Corona-Maßnahmen langsam losgingen. Insgesamt habe ich knapp 4.600 EUR für die Heilung meiner Sehschwäche bezahlt.
Während ich diesen Beitrag schreibe, sind mit dem heutigen Tag etwas mehr als 5 Jahre seit dem Eingriff vergangen. Nach dieser langen Zeit kann und möchte ich jedem unzufriedenen Brillenträger nahelegen, sich ernsthaft mit der Korrektur der Sehschwäche auseinanderzusetzen. Mein Leben ist auf so vielfältige Weise so viel besser geworden, seit ich einfach gut sehen kann.
Ich habe zum Beispiel Spaß an Sport gefunden, obwohl ich mein ganzes Leben lang ein absoluter Sportmuffel war – ich kann schwitzen, ohne dass mir die Brille von der Nase rutscht. Ich habe sogar Gefallen an Sommer und heißen Tagen gefunden. Beim Tauchen erkenne ich unter Wasser etwas. Es sind diese unzähligen kleinen Details, die das Leben so viel toller machen - darüber zu schreiben, würde einen halben Roman füllen.
Überlegst du dir auch, ob du diesen Schritt gehen möchtest? Meine Empfehlung: hör auf zu überlegen, fang an zu sparen und gehe diesen Weg. Für jeden Cent der OP-Kosten erhältst du im Austausch maximales Wohlfühlgefühl - und das ist schließlich unbezahlbar.
Du wirst es nicht bereuen!
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